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CTH 391.2

Citatio: (ed.), hethiter.net/: CTH 391.2 (INTR 2017-03-02)

Eine zweite Version des Rituals der Ambazzi

(CTH 391.2 )

Textüberlieferung

A

KBo 13.109

127/u

B

B1

KUB 57.122

Bo 898

B2

+ IBoT 2.122

Bo 193

C

KBo 56.18

1159/u

Von der vierkolumnigen Tafel KBo 13.109 sind die letzten 13 Zeilen der Vs. II relativ vollständig erhalten. Von den Zeilen 1'-3' ist aber jeweils das Ende der Zeile weggebrochen und in Zeile 13' fehlt offensichtlich das Anfangszeichen. Komplett erhalten sind die Zeilen 1-11 der Rs. III.

Von der vierkolumnigen Tafel KUB 57.122 sind von den Zeilen 1'-6 'einige Endzeichen der lk. Kol. erhalten. Von der rechten Kolumne sind aufgrund des Joins mit IBoT 2.122 (Bo 193) die Anfänge von 13 Zeilen erhalten. Das Fragment enthält fragmentarische Teile von 7 Zeilen.

Editionsgeschichte

Die Tafel 127/u wurde bei der Grabung von 1962 im Bereich des Hauses am Hang in Ḫattuša gefunden. Sie befand sich im nachhethitischen Bereich und ist aus rotbraunem gebranntem Ton. In Autographie wurde sie 1967 von Heinrich Otten in KBo 13 unter der Nummer 109 publiziert. Zu Bo 898 und Bo 193 lassen sich keine genauen Fundangaben machen. Erstere Tafel wurde 1987 von Alfonso Archi in KUB 57 unter der Nummer 122 autographiert. Die Autographie zu Bo 193 wurde 1947 von H.G. Güterbock angefertigt und in IBoT 2, Nummer 122 publiziert.

Das Fragment 1159/u wurde ebenfalls bei der Grabung von 1962 gefunden. Es befand sich unter Grabungsschutt im Bereich des Hauses am Hang und wurde 2010 von Giulia Torri in KBo 56 unter der Nummer 18 publiziert.

Eine Transliteration und spanischer Übersetzung hat hat García Trabazo 2002, BCBO 6, 381-411 vorgelegt. Eine Bearbeitung mit Transliteration, deutscher Übersetzung und ausführlichem Kommentar erfolgte 2006 von Birgit Christiansen im Rahmen ihrer Gesamtbearbeitung der Ritualüberlieferung der Ambazzi in StBoT 48, wobei IBoT 2.122 noch als eigenständige dritte Version des Rituals bewertet wurde.

Inhaltsübersicht

§ 1'

Ende eines Spruches, nach dem Unreinheit aus verschiedenen Körperteilen gezogen und auf die Feinde übertragen werden soll.

§ 2-3'

Rituelle Handlung mit einem Leinentuch in Verbindung mit einer Rezitation; dadurch wird das Böse aufgefordert, mit Hilfe eines Leinentuchs das Böse vom König fernzuhalten.

§ 4-5'

Schwenkritus mit in einem Korb befindlichen Riegeln über dem König und Aufforderung an verschiedene Götter, vom König Unreinheit fernzuhalten.

§ 6'

Anbinden einer Bogensehne mit Zinn an den König. Der zugehörige Spruch ist nicht erhalten.

Verfasser- bzw. Urheberschaft, traditionsgeschichtliche Einordnung und Datierung

Im Ritualtext selbst ist der Name der Person, der das Ritual zugeschrieben wird, nicht erhalten. Vermutlich erfolgte seine Nennung wie in anderen Ritualtexten im Incipit, das nicht mehr erhalten ist. Aufgrund der großen Ähnlichkeit des Textes zu CTH 391.1 ist der Text als Parallelversion zu diesem Ritualtext anzusprechen, der laut Incipit auf eine Frau namens Ambazzi zurückgeführt wird. Während der Personenname Ambazzi in CTH 391.1 Kolon 1 (KUB 9.27+KUB 27.67 Vs. I 1) nur mit dem Determiniv MUNUS „Frau“ versehen ist, wird die Ritualkundige in CTH 391.2 als MUNUSŠU.GI „Alte Frau, Beschwörerin“ bezeichnet (§6' Kolon 18). Während CTH 391.1 für die Behandlung nicht näher bestimmter Personen konzipiert ist, ist CTH 391.2 offenbar für den König bestimmt. Vermutlich wurde der Text auf der Grundlage von CTH 391.1 oder eines seiner Paralleltexte am Hofe in Ḫattuša kompiliert. Dabei wurde der ungewöhnliche Substitutsritus mit dem Sicherungsriegel durch einen Schwenkritus ersetzt. Der Paläographie zufolge handelt es sich um eine Niederschrift aus dem späten 13. Jh. Der Text weist keine eindeutigen orthographischen und sprachlichen Merkmale auf, die auf eine ältere Textentstehung hindeuten.

© Universität Mainz – Institut für Altertumswissenschaften; Abteilung Altorientalische Philologie


Editio ultima: 2017-03-02






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