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CTH 393

Citatio: (ed.), hethiter.net/: CTH 393 (INTR 2016-03-31)

Ritual der Anniwiyani für die LAMMA-Gottheiten (CTH 393)

Textüberlieferung

A

VBoT 24

NBC 2506

B

B1

KBo 12.104

10/t

A. Vs. I 30-44, Vs. II 42-Rs. III 2

B2

(+) Unpubl.

Bo 6070

Vs. II = A. Vs. II 19-31

Rs. III = A. Rs. IV 7-15.

Exemplar A: Die fast vollständig erhaltene Tafel ist mit vier Kolumnen beschriftet, die jeweils zwischen 40 und 48 Zeilen bieten. Nur die Zeilenanfänge von Vs. I 31-48, Rs. IV 1-10 sowie die Zeilenenden von Rs. III 1-7 fehlen.

Exemplar B: Auf dem Fragment B1 der vierkolumnigen Tafel sind lediglich unvollständige 14 Zeilen der ersten und 7 Zeilen der vierten Kolumne sowie die Anfangszeichen von 6 Zeilen der zweiten Kolumne erhalten. Auf dem Fragment B2. (Join F. Fuscagni 9.2011) sind 10 auf der Vs. und 9 Zeilen auf der Rs. erhalten

Beide Tafeln enthalten junghethitische Niederschriften des Rituals, das wohl in der mittelhethitischen Zeit entstanden ist.

Editionsgeschichte

Der Fundort der Tafel NBC 2506 aus der Nies Collection ist nicht bekannt. Der Text wurde 1927 erstmalig von E.H. Sturtevant vorgestellt (Sturtevant 1927, 5-31). 1930 publizierte A. Götze die von Sturtevant angefertigte Autographie unter der Editionsnummer VBoT 24. 1935 veröffentlichten E.H. Sturtevant - G. Bechtel das Ritual mit Übersetzung (Sturtevant – Bechtel 1935, 100-126).

Das Textfragment 10/t stammt wie alle Tafelfunde der Kampagnen 1960-62 aus Boğazköy aus sekundärer Lagerung und wurde 1960/61 in den oberen Lagen einer Schwemmschicht (Fundort C), geborgen. Eine Skizze des Planquadrats findet sich in KBo 13, VII. Die Grabungen galten der Untersuchung des „Hauses am Hang“ (HaH), das ein Tontafeldepot enthielt, zu dem auch die Tafeln aus dem Schwemmschutt gehören. H. Otten erstellte die Autographie nach der Originaltafel und publizierte sie 1962 als KBo 12.104. Gemeinsam mit VBoT 24 wurde das kleine Textfragment 2005 von D. Bawanypeck im Rahmen der Neubearbeitung von CTH 393 transliteriert und übersetzt (Bawanypeck 2005, 51-70).

Fundort von Bo 6070 ist durch den (indirekten) Anschluss mit 10/t ableitbar.

Die vorliegende Transliteration und Übersetzung wurde ebenfalls von D. Bawanypeck angefertigt. Transliteration von Bo 6070 wurde von F. Fuscagni 2016 angefertigt.

Inhaltsübersicht

Die Tafel VBoT 24 enthält zwei Rituale für LAMMA-Gottheiten. Das erste Ritual (Vs. I 1 - Rs. III 3) ist ein Reinigungsritual, das sich an die LAMMA-Gottheiten lulimi- und innarawant- richtet. Das zweite ist ein Anrufungsritual (Rs. III 4 - Rs. IV 31) für den LAMMA-Gott kurša-.

§ 1

Die Frau Anniwiyani und zwei Auguren, Ḫu(wa)rlu und dessen Untergebener Armati, der ein Sohn der Anniwiyani ist, führen das Ritual für den LAMMA-Gott lulimi- gemeinsam aus.

§ 2

Aufzählung der Ritualmaterien (u.a. Tonvögel, die von den Auguren als Nachbildungen von Orakelvögeln angefertigt werden).

§§ 3-5

Reinigung des Ritualherrn durch Kontakt- und Übertragungsriten mit gerösteten Sämereien sowie blauer und roter Wolle, die an seinem Bett, seinem Streitwagen und seinen Waffen stattfinden.

§§ 5-6

Eine Jungfrau, die einen Vogel aus Teig in der Hand hält, ruft den LAMMA-Gott innarawant- in das Haus des Ritualherrn hinein.

§ 6

Umzug der Ritualteilnehmer an einen unberührten Ort im Gebirge.

§§ 7-11

Tordurchschreitungsritus mit Hundehälften, Versöhnungsopfer für den LAMMA-Gott lulimi- und die Beseitigung der Schadensstoffe.

§ 12

Das Abstecken eines Weges mit Pflöcken aus Pappelholz.

§ 13

Ein Ritus mit erimmātu-Steinen.

§ 13

Im Anschluss an eine Vogelschau reinigen sich die Auguren und die anderen Ritualteilnehmer in der Stadt.

§§ 14-18

Dankopfer, Kultmahl und Trinkritus für den LAMMA-Gott innarawant- und die wohlgesonnenen Götter in einem Garten oder unter einem Baum. Rückkehr der Ritualteilnehmer in ihre Häuser.

§§ 19-21

Aufzählung der Anlockungs- und Besänftigungsmaterien, die zur Anrufung des LAMMA-Gottes kurša- benötigt werden.

§ 22

Anniwiyani stattet das Innengemach für die dreitägige Anrufung mit einem Opfertisch und einem Herd aus.

§ 23

Eine Jungfrau ruft den Gott mit galaktar, parḫuena- und einem weißen Wollbüschel herbei.

§§ 24-25

Analogiehandlungen mit Spreu von einer Egge und Kieselsteinen eines gepflügten Feldes.

§ 26

Beopferung der Gottes, der in den Raum hereingezogen wird.

§ 27

Morgendliches Verzehren der übrig gebliebenen Opferspeisen.

§ 28

Drei Tage währende Wiederholung der Handlungen.

§ 29

Hinausschaffen der Opferspeisen am vierten Tag.

§ 30

Die Auguren richten ein Dankopfer für den LAMMA-Gott kurša- aus.

§ 31

Kultmahl und Trinkritus für den LAMMA-Gott kurša- und die wohlgesonnenen Götter.

Kolophon.

© Universität Mainz – Institut für Ägyptologie und Altorientalistik


Editio ultima: 2016-03-31






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