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CTH 394

Citatio: (ed.), hethiter.net/: CTH 394 (INTR 2016-07-13)

Ritual des Ašḫella gegen eine Seuche in der Armee

(CTH 394)

Textüberlieferung

A

KUB 9.31 Rs. III 14 – Rs. IV 40

VAT 13061

B

B1

HT 1 Rs. III 1 – Rs. IV 43

BM 108548

B2

(+) KBo 13.312

1161/u

C

C1

KUB 9.32

Bo 2038

C2

+ CHDS 2.150

Bo 9712

C3

+ CHDS 2.83

Bo 9630

C4

+ unpubl.

Bo 4445

C5

+ unpubl.

Bo 4511

D

KUB 41.18 Vs. II 2' – Rs. IV 5'

Bo 7980

E

E1

KUB 41.17 Rs. III 1' – Rs. IV 25'

Bo 2327

+ Bo 2479

E2

+ KBo 64.14

516/z

F

F1

KBo 44.15

218/q

F2

(+) FHL 95

AO 7733.51

F3

(+) unpubl.

Bo 3353

Exemplar A

Zweikolumnige Sammeltafel mit den Ritualen CTH 410, CTH 757 und CTH 394.

Das Ritual CTH 394 beginnt ab Rs. III 14.

Eine Zeile besteht aus durchschnittlich zwanzig Zeichen pro Zeile. Die von der Länge her vollständig erhaltenen Kolumnen II und III enthalten jeweils 63 bzw. 64 Zeilen.

Es fehlt ein Abschnitt, der ansonsten in allen anderen erhaltenen Exemplaren (hier als § 7 bezeichnet) auftritt.

Fundort unbekannt.

Die Niederschrift wird junghethitisch datiert.

Exemplar B

B1: Zweikolumnige Sammeltafel mit den Ritualen CTH 410, CTH 757 und CTH 394.

Eine Zeile besteht aus durchschnittlich 19-23 Zeichen pro Zeile. Die von der Länge her vollständig erhaltene erste Kolumne enthält sechzig Zeilen, die zweite 47 und die vierte 45 Zeilen.

Ein Fragment des Kolophons ist erhalten.

Der Fundort der Tafel ist unbekannt.

Die Niederschrift wurde als junghethitisch datiert.

B2: Es sind zehn Zeilen aus dem unteren Teil der dritten Kolumne erhalten. Es sind nur maximal 6 Zeichen in jeder Zeile vorhanden.

Der Text überschneidet sich mit den Exemplaren A Rs. III 55–63, C1 Vs. 33–39 und E Rs. III 5'–12'.

Das Fragment stammt aus sekundärer Lagerung in der Nähe vom Haus am Hang.

Nach mündlichen Mitteilung von F. Fuscagni bildet der Text einen indirekten Join zu B1. Siehe dazu auch Berman 1986, 34.

Zwischen beiden Fragmenten besteht eine Lücke von ca. sechs Zeilen.

Exemplar C

C1: Einkolumnige Tafel. Zusammen mit F ist das einzige Exemplar des Rituals, das sich auf einer Sammeltafel nicht befindet.

Die Vs. enthält 46 Zeilen, die Rs. enthält 34 Zeilen.

Eine Zeile besteht aus durchschnittlich zwanzig bis dreissig Zeichen.

Ein vollständiger Kolophon ist erhalten.

C weist viele Eigenheiten wie antike Korrekturen und inhaltliche sowie äußerliche Abweichungen von den anderen Textvertretern auf.

Fundort unbekannt.

Die Niederschrift wird junghethitisch datiert.

C2: Direkter Join zu C1 Vs. 25-34 (O. Soysal 02.2011).

C3: Direkter Join zu C1 Vs. 37-40 (D. Groddek 05.2015).

C4 + C5: diese zwei zusammengesetzten Fragmente schliessen direkt an C1 Rs. 2'-16'.

Exemplar D

Zweikolumnige Tafel, bei der es sich vermutlich um eine Sammeltafel handelt (in der fast vollständig verlorenen ersten Kolumne und im Teil der Kolumne II befindet sich offenbar ein anderes Ritual), von der nur Teile der Vs. II und Rs. III erhalten sind.

Eine Zeile besteht aus durchschnittlich zwanzig Zeichen.

Der Text überschneidet sich mit den Exemplaren A Rs. III 14–45, B1 Rs. III 1–40 und C1 Vs. 1–26.

Die Niederschrift wird mittelhethitisch(?) datiert.

Fundort unbekannt.

Exemplar E

Zweikolumnige Sammeltafel mit den Ritualen CTH 410, CTH 424, CTH 394 sowie einem Teil eines bisher nicht identifizierten Rituals.

Eine Zeile besteht aus durchschnittlich zwanzig Zeichen.

Der Text überschneidet sich mit den Exemplaren A Rs. III 51–63 und Rs. IV 7–40, B1 Rs. IV 13–43 und C1 Vs. 30–41 und Rs. 5–32.

Die Niederschrift wird junghethitisch datiert.

E2: zweiseitegs Fragment, dessen Rs. IV schliesst direkt an E1 IV 24'-25' an. Das Fragment enthält auch das Ritual von Tarḫuntapaddu (Rs. IV 26'-38').

Exemplar F

F1: Fragment aus der Mitte einer Tafel. Es sind sechs Zeilen mit maximal fünf Zeichen pro Zeile erhalten.

Der Text überschneidet sich mit den Exemplaren A Rs. III 55-61, B2 x+1-6', C1 Vs. 33-37, E Rs. III 5'-10'.

Die Niederschrift wird junghethitisch datiert.

Das Tafelfragment wurde durch Kauf erworben, vermutlich stammt es ursprünglich aus dem Tempel I.

F2: Fragment aus der Mitte der Kolumne. Es sind fünf Zeilen mit maximal drei Zeichen pro Zeile erhalten.

Wohl ein indirekter Join zu F1.

Der Text überschneidet sich mit den Exemplaren A Rs. III 61–63, B2 7'-10', C1 Vs. 37–40, E Rs. III 10'-14'.

Fundort unbekannt.

F3: Fragment vom Ende der Kolumne. Es sind sechzehn Zeilen mit maximal acht Zeichen pro Zeile erhalten.

F3 bildet einen indirekten Join zu den übrigen Fragmenten.

Ein Fragment einer möglicherweise verkürzten Version des Kolophons ist vorhanden.

Der Text überschneidet sich mit den Exemplaren A Rs. IV 28-41, 44; B1 Rs. IV 31-44; C1 Rs. 20-32; E Rs. IV 16'-25'.

Fundort unbekannt.

Die Transliteration des Fragmentes wurde nach einer alten Umschrift angefertigt.

Auf einen Zusammenhang mit Exemplar B (als Duplikat zu B1 Rs. IV 31ff.) wurde von J. Lorenz (2.11.2011) verwiesen.

Die Joins F1-3 wurden von F. Fuscagni identifiziert.

Es bleibt unklar, ob es sich um eine (mehrkolumnige) Sammeltafel oder um eine einkolumnige Tafel handelt.

Auf das Erste würde die Verwendung des Ausdruckes nu=šš[an x SISKUR aniyan] (falls so richtig rekonstruiert) im Kolophon (siehe Kolon 104) hindeuten (freundliche Mitteilung von J. Lorenz) sowie die Konstruktion des Kolophons parallel zu den anderen Sammeltafeln. Für eine einkolumnige Tafel spricht ein ähnlicher zu dem (einkolumnigen) Exemplar C Verlauf der Sätze.

Editionsgeschichte

Autographien

Exemplar A: von Eheloff 1923 veröffentlicht als KUB 9.31

Exemplar B1: von King 1920 veröffentlicht als HT 1

Exemplar B2: von Otten 1967 veröffentlicht als KBo 13.212

Exemplar C1: von Eheloff 1923 veröffentlicht als KUB 9.32

Exemplar C2: von Soysal 2015 veröffentlicht (Foto mit Umschrift, keine Autographie) als CHDS 2.150

Exemplar C2: von Soysal 2015 veröffentlicht (Foto mit Umschrift, keine Autographie) als CHDS 2.83

Exemplar D: von Jakob-Rost 1970 veröffentlicht als KUB 41.18

Exemplar E1: von Jakob-Rost 1970 veröffentlicht als KUB 41.17

Exemplar E2: von Otten 2015 veröffentlicht als KBo 64.14

Exemplar F1: von Rüster 2003 veröffentlicht als KBo 44.15

Exemplar F2: von Durand 1982 veröffentlicht als FHL 95

Die Texte C4-5 sowie F3 sind unpubliziert.

Editionen und Übersetzungen

Friedrich 1925, 10-13: Übersetzung anhand HT 1 und KUB 9.31

Kümmel 1968, 310-311: Eine nach Duplikaten ergänzte Teilübersetzung von KUB 9.32

Dinçol 1985, 11-26: Transliteration und Übersetzung anhand KUB 9.31, HT 1, KUB 41.18

Kümmel 1987, 285-288: Übersetzung nach KUB 9.32 und HT 1

Roszkowska-Mutschler 2007, 10-11: Transliteration von KBo 44.15

Soysal O. 2015a, 180-182: Edition von C2.

Mouton 2016, 169-189.: kommentierte Transliteration und Übersetzung, mit kurzer Einleitung.

Die vorliegenden Transliteration und Übersetzung fertigte A. Chrzanowska 2012 nach Dinçol 1985, 11-26. 2016 wurden Korrekturen durch F. Fuscagni eingefügt.

Inhaltsübersicht

§ 1

Ritualeinleitung mit Nennung des Ašḫella als „Verfassers“ des Rituals sowie des Ritualgrundes, einer Seuche im Feldlager.

§ 2

Ritualvorbereitung. In der Abenddämmerung liefert jeder der Feldlagerherren einen Widder. Um ihre Hörner und Nacken wird bunte Wolle gebunden.

Es folgt eine Invokation an die Götter, die womöglich die Seuche verursacht haben.

Die Tiere werden über Nacht vor den Zelten des Lagers angebunden.

§ 3

1. Tag des Rituals.

Am frühen Morgen werden die Opfertiere mit unterschiedlichen Utensilien aufs Feld gebracht.

Eine geschmückte Frau wird vor das Zelt des Königs gesetzt.

§ 4

Invokation an Gottheit: Darbieten der Opfertiere (Widder) an die Gottheit, die vermeintlich die Seuche verursacht hat.

Die Feldlagerherren verneigen sich.

§ 5

Widder und Frau werden zusammen mit Brot und Bier durch das Feldlager geführt.

Dann werden sie wieder aufs Feld gebracht.

Es folgt danach eine magische Invokation zwecks Übertragung des Übels auf die Opfertiere.

Ende des 1. Tages.

§ 6

Beginn des 2. Tages.

Vorbereitung verschiedener Utensilien, Tiere, Nahrungsmittel und Getränke.

Sie werden aufs Feld gebracht. Die Tiere werden dort geschlachtet und dann gekocht.

Es wird ein Laubwerk ausgebreitet und darauf werden Fettgewebe, Dickbrote und ein Messer gelegt.

Die Nahrungsmittel und Getränke werden der Gottheit angeboten.

Man verneigt sich.

Die Ritualgeräte dürfen weder auf dem Boden gelegt noch abgestellt werden.

§ 7

Wohl die Feldlagerherren waschen ihre Hände mit Wasser, in das Salz gestreut wurde.

Es werden zwei Feuerstellen eingerichtet. Ziegenböcke werden der Schutzgottheit der Opferzurüstung geopfert. Auf dem Laubwerk werden bestimmte gekochte Teile der Tiere gelegt. Trinkopfer für die Schutzgottheit der Opferzurüstung. Es wird gegessen. Rückkehr.

Ende des 2. Tages.

§ 8

3. Tag.

Fortsetzung des Rituals am frühen Morgen.

Vorbereitung der Opfertiere (Ziegenbock, männliches Schaf, Schwein), Brote und Bier. Sie werden auf das Feld gebracht. Ausbreiten des Laubwerkes.

Opferung der Tiere an die Gottheit. Anrufung der Gottheit: Man bietet ihr das Opfer. Es wird gegessen und getrunken. Rückkehr.

Ende des 3. Tages.

§ 9

4. Tag.

Ein Rind, ein Mutterschaf und drei männliche Schafe, Brote, Bier und Wein werden auf das Feld gebracht.

Opferung des Rindes an den Wettergott.

Opferung des Mutterschafes an die Sonnengottheit und der Schafe an alle Götter.

Bestimmte Teile der geopferten Tiere werden mit dem Dickbrot hinter dem ausgebreiteten Laubwerk ausgelegt.

Trinkopfer an Sonnengöttin, Wettergott und alle Götter. Es wird gegessen. Rückkehr.

Ende des Rituals.

Kol.

Im Exemplar A, welches drei verschiedene Rituale enthält, werden ihre Titel und Verfasser genannt.

© Universität Mainz – Institut für Altertumswissenschaften – Abteilung Altorientalische Philologie 2016


Editio ultima: 2016-07-13






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