HFR Team

Citatio: Susanne Görke (Hrsg.), hethiter.net/: CTH 665.6 (INTR 2026-03-13)


CTH 665.6

Ein Festritual mit Nennung der ašušatalla-Leute

introductio



Short description

Der nur fragmentarisch erhaltene Text weist zahlreiche Verbindungen zu den anderen Texten mit luwischen Rezitationen auf.

Texts

Manuscript AA₁KBo 51.221168/uT.I
+ A₂+ KUB 55.38+ Bo 2329T.I *
Manuscript BB₁KUB 35.142Bo 618Ḫattuša
+ B₂+ CHDS 4.83+ Bo 6190Ḫattuša

Overview of contents

Section 1ID=1Fragmentarisch: Ritualeinleitung mit Ritualgrund, darunter Verfluchung
Section 2ID=2Vorbereitende Ritualhandlungen: Errichtung wohl einer hausähnlichen Struktur und Nennung der Ritualzurüstung, darunter verschiedene Tiere, Gefäße, Nahrungsmittel und Gerätschaften
Section 3ID=3Vorbereitung einer Opferung vor einer Gottheit
Section 4ID=4Opferung von Tieren an eine Gottheit mit Musik und Tanz
Section 5ID=5Musik und luwischer Gesang der ašušatalla-Männer und der Menge
Section 6ID=6Riten mit Kränzen, dazu Lieder wohl der ašušatalla-Männer und der Menge

Editionsgeschichte

Text A₂ wurde ohne den Join mit A₁ von Groddek D. 2002c: 62-64 in Transliteration vorlegt. Der Join stammt von M.-C. Trémouille aus dem Jahre 2006.

Text B₁ wurde – ohne den Join mit B₂ – von Starke F. 1985a: 323-325 in Transliteration vorgelegt. In Starke F. 1990a: 602f. wurde die Umschrift um das Fragment B₂ erweitert. Ein Foto des Fragments sowie eine neuere Umschrift finden sich in Soysal O. 2021x unter der Nummer 83.

In vorliegender Edition wird der Text zum ersten Mal in vollständiger Transliteration und Übersetzung vorgelegt.

Tafeleigenschaften

Beide Textvertreter sind nur fragmentarisch überliefert worden.

Bei Text A handelt es sich um eine zweikolumnige Tafel, von der sich die oberen 17, wohl nur zur Hälfte erhaltene Zeilen der Vs. I, 26 teils nur fragmentarisch erhaltene Zeilen der Vs. II sowie 16 teils fragmentarische Zeilen vom Ende der Rs. III erhalten haben.

Text B stellt ebenfalls eine wohl zweikolumnige Tafel dar. Von ihm haben sich 23 teils fragmentarische Zeilen der Vs. I, 16 fragmentarische Zeilen der Vs. II sowie 18 fragmentarische Zeilen der Rs. IV erhalten.

Insgesamt dürfte sich in etwa die Hälfte des Textes erhalten haben.

Paläographie und Handschrift

Bei beiden Textvertretern handelt es sich um junghethitische Niederschriften. Wenngleich man aufgrund von zahlreichen Verbindungen mit anderen Texten der luwischen Festritualgruppen (siehe unten) davon ausgehen kann, dass eine ältere Vorlage existiert haben könnte, fällt die häufige Verwendung von heterographischen Schreibungen auf.

Allgemeine Informationen

Dieser Text weist eine leider nur fragmentarisch erhaltene Ritualeinleitung auf, die sich so in anderen Texten nicht findet. Die Erwähnung eines Fluches stellt eine Verbindung zum Kolophon von KUB 17.33+ (CTH 771.4) her, in dem ebenfalls ein Fluch als Ritualgrund genannt wird. Darüber hinaus wird das Auf-die-Schultern-Schlagen in anderem Zusammenhang in CTH 665.4 Kolon 14 genannt. Auf die Einleitung in dem hier vorliegenden Text folgt die Beschreibung der Errichtung von häuslichen Strukturen, vielleicht Zelten, die – vergleichbar KBo 29.204+ (CTH 771.1 Kola 16-19) – ebenfalls Tore besitzen. Es folgt eine ausführliche Liste der für das Ritual benötigten Materialien, in der u.a. kantašuwalli-Gefäße genannt werden, die auch in der Ritualzurüstung von KBo 29.204+ (CTH 771.1 Kolon 82) notiert sind und im Analogiespruch in KUB 35.132+ (CTH 771.2 Kola 188-192) angesprochen werden. Riten mit Kreisen werden auch in KBo 4.11 (CTH 665.1 Kolon 13) und KBo 45.199+ (CTH 665.2 Kola 83f.) beschrieben. Die Wechselgesänge, bei denen die Menge den Gesang wiederholt, werden auch in den anderen den luwischen Festritualen zuzuordnenden Texten genannt. Die kultisch reinen Worte finden auch in KBo 4.11 (CTH 665.1 Kola 20 und 25) Erwähnung. Während die Gottheit Kinaliya ebenfalls in KUB 35.135 (CTH 772.2 Kola 9 und 17) und KBo 39.184(+) (CTH 772.3 Kolon 28) genannt wird, finden die Kränze aus verschiedenen Holzarten keine andere Erwähnung in den luwischen Festritualtexten.

Editio ultima: 2026-03-13