HFR Team

Citatio: Susanne Görke (Hrsg.), hethiter.net/: Catalog: Luwische Festrituale (2026-02-16)

Kritische Editionen

Catalog: Luwische Festrituale

introductio



Short description

Zu den luwischen Festritualen, die in den Archiven der hethitischen Hauptstadt Ḫattuša zu Tage traten, zählen auch die Texte mit Bezügen zu den Städten Ištanuwa und Lallupiya, die sich westlich von Ḫattuša im Bereich des Sakarya-Flusses befunden haben dürften (vgl. Weeden M. – Ullmann L.Z. 2017b: 258). Keine dieser Städte konnte bislang genauer lokalisiert werden. In einigen Texten werden „Leute aus Ištanuwa“ oder „Leute aus Lallupiya“ erwähnt, die den Wettergott von Ištanuwa zusammen mit einer Reihe anderer Götter verehren. Darüber hinaus werden in diesen Texten längere luwische Rezitationen genannt, die zu Musik des ḫuḫupal-Instruments und von Hörnern gesungen wurden, wozu manchmal auch getanzt wurde.

Eine umfassende Edition und Auswertung dieser sogenannten Ištanuwa-Texte existiert bislang nicht. Starke F. 1985a widmete den dritten Teil seiner Edition „Die keilschrift-luwischen Texte in Umschrift“ den Festritualen und unterteilte sie in ein „Festritual für Wettergott und Sonnengott“ (S. 270-294), in Texte des „Kults des Pantheons von Ištanuwa“ (S. 294-353), in ein „Festritual für den Wettergott des Himmels“ (S. 354-357) sowie „Fragmente von Festritualen“ (S. 358-367). Die Texte legte er in Transliteration vor.

Im Rahmen des Projekts „Hethitische Festrituale (HFR)“ wurde für die erste umfassende Gesamtedition der Texte eine Neusortierung auf Grundlage von Starke gewählt, mit dem Ziel, die Ritualabläufe zu rekonstruieren und die Anzahl der Feste zu bestimmen. Zum einen konnte dabei festgestellt werden, dass die Texte zahlreiche ähnliche Beschreibungen von Festszenarien enthalten, die die konkrete Zuordnung zu einem bestimmten Text oder Ritual schwierig machen. Zum anderen erwähnt kein Fragment die Leute aus Lallupiya, die Leute aus Ištanuwa und die ašušatalla-Leute zusammen, während mit den verschiedenen Gruppen durchaus ähnliche Ritualhandlungen in Verbindung gebracht werden können. Die Fragmente wurden daher in CTH 665 „Festrituale mit Nennung der ašušatalla-Leute“, CTH 771 „Festrituale mit Nennung der Leute aus Lallupiya“, CTH 772 „Festrituale mit Nennung der Leute aus Ištanuwa“ sowie CTH 773 „Fragmente von Wechselgesängen“ neu unterteilt.

In einer Reihe von Texten werden dabei Opferungen beschrieben, die in zwei Szenen unterteilt werden können. In dem einen Fall werden die Opferungen vor Kultstelen in Zelten dargebracht (siehe z.B. CTH 771.1, CTH 771.2, CTH 771.4), während in dem anderen Tische mit Broten, die den Göttern hingestellt werden, eine maßgebliche Rolle spielen (siehe z.B. CTH 665.2. CTH 665.4, CTH 772.1, CTH 772.6). Diese beiden Szenen können mit zwei unterschiedlichen Göttergruppen in Verbindung gebracht werden, die hier als Gruppe A (vor Kultstelen) und Gruppe B (mit Tischen) bezeichnet werden.

Die Gruppe A umfasst dabei die folgenden Gottheiten:

  • Wettergott von Ištanuwa
  • Sonnengott des Wettergottes von Ištanuwa
  • Hirschgott
  • Šuwašuna
  • Wandu
  • Šiuri
  • Iyaš(š)alla
  • Immaršiya
  • und andere.

Der Gruppe B sind die folgenden Gottheiten zuzuordnen:

  • Wettergott von Ištanuwa
  • Kinaliya
  • Gurnuwala
  • Šawitra
  • Maliya
  • hurritische Inar
  • Šaḫiriya
  • und andere.

Darüber hinaus dürfte es sich bei CTH 772.5 um ein Festritual für den Gott Telipinu handeln und CTH 665.2 richtet sich dezidiert an den Wettergott des Himmels.

Die hier vorgestellten luwischen Festrituale weisen eine Reihe von Gemeinsamkeiten auf, zu denen die folgenden gezählt werden können:

- Einige der luwischen Festrituale weisen formale Übereinstimmungen mit Beschwörungsritualen auf. In manchen Texten ist von einer Behandlung die Rede (CTH 771.1 Kolon 20: „Wenn man König und Königin zu zweit behandelt“); auch der Kolophon CTH 771.4 verweist auf eine magische Behandlung.

- Die luwischen Festrituale finden außerhalb der Stadt auf freiem Feld (gimri) statt. In manchen Fällen werden Zelte erwähnt, die für die Festhandlungen errichtet werden (siehe z.B. CTH 771.1, CTH 771.4, CTH 772.1, CTH 772.2).

- In fast allen Festritualen wird der König oder das Königspaar erwähnt. Es können auch weitere Familienmitglieder an den Feierlichkeiten teilnehmen.

- Singulär sind die verschiedenen Bedingungen, unter denen die Rituale stattfinden können und die von einer großen Flexibilität der Feierlichkeiten besonders in Bezug auf die Anzahl der Teilnehmer oder den Zeitpunkt zeugen (vgl. besonders CTH 771.1 und CTH 771.2).

- Die musikalischen Szenen finden einen breiten Raum in den Ritualbeschreibungen. Dazu zählen Gesänge, Tänze und Instrumentalmusik, wie es z.B. CTH 771.2 Kola 5-15, 71-92 oder CTH 772.5 Kola 24-48 deutlich machen.

- In manchen Festritualen finden sich Hinweise auf mehrtägige Feierlichkeiten (z.B. CTH 665.1: drei Tage; CTH 771.1 und CTH 771.2: zwei Tage; CTH 772.2: vier Tage; CTH 772.4: drei Tage). Von einem langen Fest mit mindestens 17 Tagen zeugt das althethitische Fest mit Beteiligung der ašuša(tal)la-Leute CTH 665.3-5.

- Typisch für die luwischen Festrituale sind auch die so genannten Wechselgesänge, bei denen Vorgesetzte und Menge miteinander singen (siehe z.B. CTH 665.6, CTH 771.10, CTH 772.1, CTH 772.6 und CTH 773).

Für weitere Ausführungen und Interpretationen sei auf die in Vorbereitung befindliche gedruckte Edition verwiesen.

Texts

Text CTH 665: Festrituale mit Nennung der ašušatalla-Leute (hrsg. von Susanne Görke)
Text CTH 771: Festrituale mit Nennung der Leute aus Lallupiya (hrsg. von Susanne Görke)
Text CTH 772: Festrituale mit Nennung der Leute aus Ištanuwa (hrsg. von Susanne Görke)
Text CTH 773: Fragmente von Wechselgesängen (hrsg. von Susanne Görke)
Editio ultima: 2026-02-16