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Kurzbeschreibung |
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Der Text beschreibt ein Festritual unter Beteiligung des Königspaares, bei dem die Leute aus Lallupiya auf Luwisch singen und Tanzszenen stattfinden.
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Texte |
| Exemplar A | A₁ | KUB 35.132 | Bo 523 | Ḫattuša |
| + A₂ | + KUB 25.37 | + Bo 615 | Ḫattuša |
| | | + VAT 13566 | Ḫattuša |
| | | + VAT 13567 | Ḫattuša |
| + A₃ | + KUB 51.9 | + Bo 823 | Ḫattuša |
| + A₄ | + KUB 35.131 | + Bo 7915 | Ḫattuša |
| Exemplar B | | KUB 32.88 | 69/a | Bk. A | |
Literaturauszug aus der Konkordanz |
- F. Starke, StBoT 30, 1985: 342-351
- F. Starke, StBoT 31, 1990: 381; 604f.
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Editionsgeschichte |
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Der Text ist in zwei Exemplaren überliefert:
Text A₁+A₂+A₄ wurde von Starke F. 1985a: 342-350 in Transliteration vorgelegt, Text A₃ gesondert in Starke F. 1985a: 350f. Vgl. auch Starke F. 1990a: 604f. mit Korrekturen und der Transliteration mit dem Join von Text A₃.
Güterbock H.G. 1995b: 63-70 transliterierte und übersetzte einen Großteil des Textes A.
Die vorliegende Edition stellt die erste vollständige Transliteration und Übersetzung der Texte A und B dar.
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Tafeleigenschaften |
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Bei Textvertreter A handelt es sich um eine zweikolumnige Tafel. Von ihr haben sich 51 zum Teil nur fragmentarische Zeilen der Vs. I, 47 teils fragmentarische Zeilen der Vs. II, 44 zum Teil fragmentarische Zeilen der Rs. III und 45 teils fragmentarische Zeilen von Rs. IV sowie vier fragmentarische Zeilen des Kolophons erhalten. Insgesamt dürften sich drei Viertel der Tafel erhalten haben.
Von Textvertreter B haben sich nur 6 fragmentarische Zeilen erhalten, die einen Abschnitt von Text A duplizieren.
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Paläographie und Handschrift |
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Bei beiden Textvertretern handelt es sich um junghethitische Niederschriften.
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Sprachliche Merkmale |
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Vereinzelte Formen wie z.B. iškiša „am Rücken“ oder katti=šši „mit ihm“ dürften auf einen ursprünglich älteren Text deuten.
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Intertextualität |
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Der Text enthält einige Zitate von Liedern, die auf Luwisch gesungen werden. Darüber hinaus wird ein Lied zweimal auf Hethitisch rezitiert, das sich auch in anderen Texten der Gruppe der luwischen Festrituale findet. In beiden Fällen, in den Kola 123-127 und 161-165, könnte es sich auf die Gottheit Winiyanda beziehen, wie es auch in CTH 771.1 Kola 205-209 der Fall ist. In CTH 771.1 Kola 192-196 wird das gleiche Lied für die Gottheit Tarwalliya gesungen, während es in den Kola 13-14 von CTH 771.15 wohl für den Wettergott zelebriert wird.
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Besonderheiten |
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Singulär sind in diesem Text die Beschreibungen des Tanzes von Koch und Mundschenk (Kola 6-10; Kola 74-78) sowie die Darstellung eines Ritus, bei dem ḫuḫupal-Instrumente ineinander gestapelt werden (Kola 26-35); vgl. dazu auch Güterbock H.G. 1995a: 70f.
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Allgemeine Informationen |
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Der leider nur fragmentarisch erhaltene Kolophon zeichnet die Tafel als „Tafel der Leut[e aus Lallupiya“ aus, die ein bestimmtes Fest oder eine bestimmte Gottheit feiern. Bei der Gottheit, oder einer der Gottheiten, könnte es sich um den Sonnengott des Wettergottes von Ištanuwa handeln, der in dem letzten Abschnitt des Rituals genannt wird. Aus diesem wird auch klar, dass das Ritual zwei Tage gefeiert wurde, sollte das Königspaar am ersten Tag noch nicht anwesend sein, ansonsten stellt es ein eintägiges Ritual mit der Anwesenheit des Königspaares dar. Das Fest wird, wie das andere Ritual der Leute aus Lallupiya (CTH 771.1) auch, in verschiedenen Zelten gefeiert, in denen auch die Ritualmaterialien gelagert werden (Kola 193-203). Das Königspaar wird darüber hinaus in einer Rezitation genannt, bei der es sich um einen Analogiespruch handelt, nach dem derjenige, der dem Königspaar Böses zufügt, wie ein kantašuwalli-Gefäß gebeugt werden soll, damit das Böse, was er gegen das Königspaar plant, nicht aus ihm heraus gelangen kann (Kola 188-192). Diese Rezitation erinnert stark an solche, die in Beschwörungsritualen zitiert werden, wie z.B. in CTH 418 „Wenn ein Fremder ein Vergehen gegen das Königspaar verübt“.
Die übrigen Ritualhandlungen beinhalten Tanzszenen mit Koch und Mundschenk unter Rezitation luwischer Gesänge und in der Anwesenheit der Leute aus Lallupiya und ihrer Vorgesetzten (Abschnitt 1), rituelle Abläufe mit dem ḫuḫupal-Instrument (Abschnitt 2), weitere Tanzszenen mit luwischem Gesang (Abschnitt 3), wohl Trinkriten mit hethitischen Rezitationen, die sich auch in anderen luwischen Festritualen finden (Abschnitt 5-7 und vgl. oben) sowie Trinkriten für die Götter der Gruppe A (vgl. dazu die allgemeine Einführungsseite zu den luwischen Festritualen).
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Inhaltsübersicht |
| Abschnitt 1ID=1 | Ritualhandlungen unter Beteiligung der Leute aus Lallupiya; ein Mundschenk und ein Koch tanzen gemeinsam; ḫuḫupal-Musik, dazu singt der Mundschenk auf Luwisch |
| Abschnitt 2ID=2 | Gießen von marnuan-Getränk von einem ḫuḫupal-Instrument in ein anderes; Trinkriten, zu denen die Leute aus Lallupiya auf Luwisch singen |
| Abschnitt 3ID=3 | Erneut Tanz mit luwischem Gesang der Leute aus Lallupiya; Trinkriten, zu denen der Mundschenk das ḫuḫupal-Instrument spielt und tanzt |
| Abschnitt 4ID=4 | Fragmentarische Ritualhandlungen, bei denen ein Stier und ein Toilettengang Erwähnung finden |
| Abschnitt 5ID=5 | Trinkriten wohl für Winiyanta mit einer Rezitation in Bezug auf Schlaf |
| Abschnitt 6ID=6 | Trinkriten für Winiyanta aus einem Horn; Tanz und Gesang |
| Abschnitt 7ID=7 | Trinkriten für Winiyanta mit einer Reziation in Bezug auf Schlaf |
| Abschnitt 8ID=8 | Trinkriten für verschiedene Götter |
| Abschnitt 9ID=9 | Fragmentarischer Analogieritus mit Analogiespruch |
| Abschnitt 10ID=10 | Beschreibung des Ritualschauplatzes und der Ritualmaterialien; Ende des zweiten Tages |
| Abschnitt 11ID=11 | Hinweis auf mögliche Variabilität des Ritualablaufs | |
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