|
Kurzbeschreibung |
|
Der Text beschreibt ein Festritual, bei dem das Königspaar in einem Zelt vor Kultstelen den Sonnengott des Wettergottes von Ištanuwa beopfert und die Götter der Gruppe A (vgl. die allgemeine Einführungsseite zu den luwischen Festritualen) auf Hethitisch angerufen werden.
|
Texte |
|
Editionsgeschichte |
|
Der Textgruppe können sechs Texte zugeordnet werden, von denen nur die beiden folgenden in früheren Werken ediert wurden:
Der Haupttext von Text A, VSNF 12.26 (A₃), wurde von Groddek D. et al. 2002a: 48-51 in Transliteration vorgelegt.
Text E wurde von Starke F. 1985a: 353 in Transliteration publiziert.
Die Textgruppe wird an dieser Stelle zum ersten Mal in einer Gesamttransliteration mit Übersetzung präsentiert.
|
Tafeleigenschaften |
|
Bei dem Haupttext A₃ handelt es sich um eine einkolumnige Tafel, von der sich die ersten 36 Zeilen der Vorderseite sowie die letzten 34 Zeilen der Rückseite teilweise erhalten haben. Daran schloss J.L. Miller im März 2018 die beiden Fragmente KUB 17.33 (A₁) und KUB 12.42 (A₂) an, die beide einen Kolumnentrenner am linken Rand aufweisen (siehe zu solchen Tafeln Waal W. 2015a: 97-101). Text A₂ fügt der Vorderseite 10 sowie der Rückseite 8 Zeilenanfänge hinzu, während Text A₁ 20 Zeilenanfänge auf der Rückseite liefert, wobei 5 die Zeilenanfänge von A₃ ergänzen. Im März 2026 jointe J.L. Miller den Text A₄ direkt an A₂, sodass einige Zeilen um wenige Zeichen erweitert und wenige fragmentarische Zeilen hinzufügt werden konnten. Insgesamt dürften sich maximal zwei Drittel der Tafel erhalten haben.
Bei Text B handelt es sich um eine vierkolumnige Tafel, von der sich 23 weitgehend verständliche Zeilen der Vs. I sowie 21 fragmentarische Zeilen der Rs. IV und 3 Zeilen des Kolophons erhalten haben, die alle Text A duplizieren.
Nach einer alten Grabungsumschrift haben sich von Text C 9 fragmentarische Zeilen einer Vorderseite sowie 12 Zeilenanfänge einer Rückseite erhalten, die Text A duplizieren.
Text D enthält 11 fragmentarische Zeilen einer Vs. I und 10 fragmentarische Zeilen einer Rs. IV, die fragmentarische Zeilen von Text A zum Teil ergänzen.
Text E überliefert 12 Zeilenenden einer linken Kolumne, die die fragmentarischen Zeilen von Text A teilweise ergänzen.
Text F weist 4 fragmentarische Zeilen einer Vs. II und 5 fragmentarische Zeilen einer Rs. III auf, die den Textumfang von A erweitern.
Insgesamt weist der Text zwar weiterhin große Lücken auf, dürfte sich aber in etwa zu zwei Dritteln erhalten haben.
|
Paläographie und Handschrift |
|
Bei dem Haupttext A handelt es sich um eine junghethitische Niederschrift, die die jungen Formen von DA und Á ohne gebrochenen mittleren waagerechten Keil aufweist, nicht aber die späten Formen von ḪA, KI oder EN zeigt.
Ähnliche Merkmale weist Text B auf, der ebenfalls als junghethitische Niederschrift bestimmt werden kann.
Die Texte D, E und F weisen wenig datierungsrelevante Zeichen auf, die eine junghethitische Niederschrift weiter konkretisieren könnten.
|
Sprachliche Merkmale |
|
Es lassen sich keine Formen oder Ausdrücke finden, die auf eine ältere Entstehungszeit des Textes deuten.
|
Besonderheiten |
|
Wie in anderen luwischen Festritualen (siehe vor allem CTH 771.1) findet sich auch in diesem Text ein Hinweis auf verschiedene Bedingungen, die eine unterschiedliche Ritualausführung nach sich ziehen. So variiert die Anzahl der aufzustellenden Kultstelen gemäß der Kola 10-13 je nach Anzahl der am Ritual beteiligten Personen.
|
Allgemeine Informationen |
|
Der Kolophon weist die Tafel als letzte eines gemeinsamen Festes des Königspaares und der Leute aus Lallupiya aus, das „auf dem Feld“, also außerhalb einer Örtlichkeit, gefeiert wird. Darüber hinaus konkretisiert der Kolophon den Anlass des Festrituals, nämlich eine Untat und die daraus folgende Verunreinigung eines Menschen. Wenngleich der Beginn des Tafel nur fragmentarisch erhalten ist, dürfte es sich um den Beginn des Gesamttextes handeln, worauf das Waschen und Ankleiden wohl des Königspaares im ersten Paragraphen deuten dürfte. Der nächste Abschnitt findet in einem Zelt statt, in dem neben Kultstelen auch Tische aus Rohrgeflecht mit Broten stehen. Ein nicht näher definierter Kultdiener fordert den Sonnengott des Wettergottes von Ištanuwa zum Kultmahl auf. Nach der Schlachtung von Schafen opfert das Königspaar dem Sonnengott des Wettergottes von Ištanuwa Brote und Wein, wohl zusammen mit den Leuten aus Lallupiya. Es folgen fragmentarische Abschnitte, in dem Brote gebrochen werden, die ein Sänger aus Kaniš vor die Kultstelen legt und dabei die luwischen Götter der Gruppe A (vgl. dazu die allgemeine Einführungsseite zu den luwischen Festritualen) in hethitischen Rezitationen anruft. Belegt sind dabei vielleicht der Sonnengott von Ištanuwa (Kola 53-56), der Gott des Innengemachs (Kola 57-66), Šuwašuna (Kola 67-75), Iarri (Kola 77-83), vielleicht Šiuri (Kola 84-88), Iyaššallašši (Kola 90-96), Wandu (Kola 97-103), der Sonnengott des Torbaus (Kola 104-111) und weitere Götter. Sowohl Wandu, der Sonnengott des Torbaus, der Wettergott und der Hirschgott werden um Unterstützung und Wohlwollen für das Königspaar gebeten, während den Feindesländern Böses gewünscht wird. Nachdem wohl der König bzw. das Königspaar den Ritualort verlassen haben, beenden die Leute aus Lallupiya das Ritual mit Opferungen an alle Götter.
|
Inhaltsübersicht |
|
|
|
|
|