Kurzbeschreibung |
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Dieses Festritual, wenngleich nur fragmentarisch überliefert, richtet sich an den Gott Telipinu und weist hethitische Rezitationen auf. Die Erwähnung des ḫuḫupal-Instruments sowie der Verweis auf Rezitationen in der Sprache von Ištanuwa stellen Verbindungen zu den luwischen Festritualen her.
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Texte |
| Exemplar A | A₁ | KUB 53.15 | Bo 2650 | Ḫattuša |
| + A₂ | + KUB 41.15 | + VAT 8314 | Ḫattuša |
| + A₃ | + FHL 5 | + AO 7553 | Ḫattuša |
| + A₄ | + KBo 9.134 | + 55/n | Bk. H | |
Literaturauszug aus der Konkordanz |
- F. Starke, StBoT 30, 1985: 319f. mit Anm. 117a
- S. Alp, TTKY VI/23, 1983: 290f. (Nr. 140)
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Editionsgeschichte |
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Eine Transliteration von Text A₁ findet sich in Starke F. 1985a: 319f. Dort verweist Starke in Anm. 117a bereits auf den Join mit Text A₂. Im November 2025 konnte J. Lorenz den Text A₃ der Tafel hinzufügen. S. Görke gelang der Join mit Text A₄ im Februar 2026.
Der Text wird hier erstmals in seiner Gesamtheit transliteriert und übersetzt.
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Tafeleigenschaften |
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Es handelt sich um eine zweikolumnige Tafel mit relativ breiten Kolumnen. Von dieser haben sich die letzten 32 Zeilen der Vs. I erhalten, 13 davon fast vollständig. Darüber hinaus sind 26 Zeilenanfänge der unteren Hälfte der Vs. II und 43 Zeilenenden des Beginns der Rs. IV überliefert. Fast die halbe Tafel ist verloren, so dass von dem Gesamttext weit weniger als die Hälfte überliefert ist.
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Paläographie und Handschrift |
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Es handelt sich um eine junghethitische Niederschrift, wobei noch die älteren Formen der Zeichen AK und URU Verwendung finden, aber auch bereits ein jüngeres LI neben älteren Formen belegt ist.
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Sprachliche Merkmale |
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Die vermerkten älteren Zeichenformen sowie morphologische Formen wie der Allativ ḫilamna oder der Gebrauch der enklitischen Possessivsuffixe wie in šamanu(š)=ššuš oder GÌR-i=šši deuten auf eine ältere Abfassungszeit des Textes.
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Allgemeine Informationen |
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Der relativ fragmentarische Überlieferungszustand macht ein Verständnis mancher Abschnitte schwer. Der erhaltene Text beginnt mit einer hethitischen Rezitation, in der labarna offenbar in einem Analogiespruch genannt wird. Im zweiten Abschnitt wird Telipinu angerufen, sich bereit gestellte Schuhe anzuziehen. Im dritten Abschnitt spielt ein Arzt während eines Trinkritus ein ḫuḫupalli-Instrument und singt Lieder in der Sprache von Ištanuwa. Am Ende des Ritualtages wird ein Ritus beschrieben, bei dem ein Arzt zunächst sich selbst mit zwei Nadeln sticht und tanzt. Nach dem Herausziehen der Nadeln trinkt er Wein, bevor er anschließend weitere Ritualteilnehmer mit den Nadeln sticht. Diese singuläre Beschreibung referiert wohl auf einen Tanz in Ekstase oder Trance (siehe Schuol M. 2004a: 206f.). Weitere ausgesprochen fragmentarische Abschnitte folgen, darunter hethitische Rezitationen, in denen wiederholt Telipinu erwähnt wird. Ein Abschnitt dürfte dabei das Ankleiden einer Götterstatue beschreiben.
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Inhaltsübersicht |
| Abschnitt 1ID=1 | Fragmentarisch: Nennung von Labarna in einer hethitischen Rezitation |
| Abschnitt 2ID=2 | Fragmentarisch: Beschreibung eines Ritualplatzes mit Anrufung des Telipinu |
| Abschnitt 3ID=3 | Kultmahl, bei dem ein Arzt ein ḫuḫupal-Instrument spielt und in der Sprache von Ištanuwa singt |
| Abschnitt 4ID=4 | Szene, in der der Arzt musiziert und die Anwesenden mit zwei Nadeln sticht; wohl Tagesende |
| Abschnitt 5ID=5 | Wohl Tagesbeginn; fragmentarisch |
| Abschnitt 6ID=6 | Fragmentarisch: Hinweis auf Rezitation und Opferungen |
| Abschnitt 7ID=7 | Fragmentarisch: Vorbereitung ritueller Handlungen wohl im Palast; Erwähnung des Sonnengottes und Telipinus |
| Abschnitt 8ID=8 | Libation und Umschwenken der Götter mit Rezitation |
| Abschnitt 9ID=9 | Nennung einer Ritualzurüstung wohl für die Verehrung Telipinus |
| Abschnitt 10ID=10 | Fragmentarisch: rituelle Waschung, Vorbereitung der Ritualmaterialien und einer Statue(?) wohl mit Anrufung des Telipinu(?) | |